Schmerzensgeld

Schmerzensgeld ist nach § 253 Abs. 2 BGB eine „billige Entschädigung in Geld“ für immaterielle Schäden nach einer Verletzung von Körper oder Gesundheit. Nach einem Verkehrsunfall kann es auch ohne Verschulden geschuldet sein; feste Beträge gibt es nicht.
Inhaltsverzeichnis

Das Wichtigste in Kürze

  • RechtsgrundlageSchmerzensgeld ist heute in § 253 Abs. 2 BGB geregelt – als „billige Entschädigung in Geld“ für immaterielle Schäden.
  • Bei Verletzung der GesundheitVoraussetzung ist eine Verletzung von Körper, Gesundheit, Freiheit oder sexueller Selbstbestimmung.
  • Auch ohne VerschuldenNach einem Verkehrsunfall kann Schmerzensgeld auch aus der Halterhaftung des Straßenverkehrsgesetzes geschuldet sein.
  • Keine festen BeträgeDie Höhe richtet sich nach dem Einzelfall. Gerichte orientieren sich an vergleichbaren Entscheidungen.

Was ist Schmerzensgeld?

Schmerzensgeld entschädigt Nachteile, die sich nicht unmittelbar in Geld messen lassen: Schmerzen, Angst, Einschränkungen im Alltag oder seelisches Leid. Juristen sprechen vom immateriellen Schaden – im Unterschied zum Vermögensschaden, etwa den Reparaturkosten am Fahrzeug.

Es soll Beeinträchtigungen ausgleichen und zugleich Genugtuung verschaffen. Bei Verkehrsunfällen steht meist der Ausgleich im Vordergrund.

Gut zu wissen: § 253 statt § 847 BGBFrüher regelte § 847 BGB das Schmerzensgeld und setzte grundsätzlich Verschulden voraus. Seit 2002 gilt § 253 Abs. 2 BGB – auch bei verschuldensunabhängiger Haftung, im Straßenverkehr etwa über § 11 Satz 2 StVG.

Wann besteht Anspruch auf Schmerzensgeld?

Ein Anspruch kommt nach einem Verkehrsunfall in Betracht, wenn:

  • Sie wurden bei dem Unfall körperlich oder gesundheitlich verletzt – dazu können auch psychische Beeinträchtigungen mit Krankheitswert zählen.
  • Ein anderer haftet für den Unfall: aus Verschulden des Fahrers oder aus der verschuldensunabhängigen Halterhaftung (§ 7 StVG).
  • Die Verletzung ist durch den Unfall verursacht worden und nicht etwa durch eine Vorerkrankung allein.
  • Die Beeinträchtigung ist nicht völlig unerheblich. Ganz geringfügige Beschwerden ohne spürbare Auswirkungen auf die Lebensführung begründen in der Regel keinen Anspruch.

Bei Mitverursachung wird der Anspruch nach Ihrer Haftungsquote gekürzt. Auch ein nicht angelegter Gurt kann als Mitverschulden zählen, wenn die Verletzungen dadurch schwerer ausfielen.

Wie wird die Höhe des Schmerzensgeldes bemessen?

Einen gesetzlichen Tarif gibt es nicht – Versicherung und Gericht bewerten den Einzelfall. Als Anhaltspunkt dienen Schmerzensgeldtabellen mit früheren Entscheidungen zu vergleichbaren Verletzungen.

  • Verletzung

    Art und Schwere

    Welche Verletzungen liegen vor, wie schmerzhaft waren sie, waren Operationen nötig?

  • Dauer

    Behandlung und Ausfall

    Dauer von Krankenhausaufenthalt, ambulanter Behandlung, Reha und Arbeitsunfähigkeit.

  • Folgen

    Dauerschäden

    Bleibende Einschränkungen, Narben oder Bewegungseinbußen erhöhen das Schmerzensgeld deutlich.

  • Psyche

    Seelische Belastung

    Angststörungen oder posttraumatische Belastungen nach dem Unfall werden berücksichtigt, wenn sie nachgewiesen sind.

  • Lebensumstände

    Alltag und Beruf

    Einschränkungen bei Beruf, Hobbys, Familie und Haushalt fließen in die Bewertung ein.

  • Weitere Faktoren

    Mitverschulden und Regulierung

    Ein Mitverschulden mindert den Betrag. Eine unangemessen verzögerte Regulierung kann sich dagegen erhöhend auswirken.

Bei schweren Dauerschäden kann neben einem Kapitalbetrag oder stattdessen auch eine monatliche Schmerzensgeldrente in Betracht kommen.

Wer zahlt das Schmerzensgeld nach einem Unfall?

Im Regelfall zahlt die Kfz-Haftpflichtversicherung des Verursachers. Im Einzelnen gilt:

Situation Wer zahlt in der Regel?
Unverschuldeter Unfall Kfz-Haftpflichtversicherung des Unfallgegners (Haftpflichtschaden)
Unfall mit Mitschuld Gegnerische Haftpflicht anteilig nach Haftungsquote
Verletzter Beifahrer Haftpflichtversicherung des eigenen oder des gegnerischen Fahrzeugs – je nach Haftung
Selbst verschuldeter Unfall (Fahrer) Kein Schmerzensgeld; ggf. Leistungen aus privater Unfall- oder Fahrerschutzversicherung
Unbekannter Verursacher Verkehrsopferhilfe nur unter engen Voraussetzungen (Unfallflucht)

Achtung bei AbfindungserklärungenWer eine Abfindung „zur Erledigung aller Ansprüche“ unterschreibt, kann Spätfolgen in der Regel nicht mehr geltend machen. Lassen Sie solche Erklärungen prüfen und achten Sie auf einen Vorbehalt für Zukunftsschäden.

Schmerzensgeld bei HWS-Verletzung und Schleudertrauma

HWS-Verletzungen nach Auffahrunfällen sind häufig – und oft umstritten, weil ein Schleudertrauma auf Röntgenbildern meist nicht sichtbar ist.

Eine feste „Harmlosigkeitsgrenze“ hat der Bundesgerichtshof abgelehnt. Entscheidend sind ärztliche Befunde, zeitlicher Zusammenhang und Unfallschwere – belegt durch das Schadensbild und gegebenenfalls eine Unfallrekonstruktion.

Schmerzensgeld, Schadensersatz und Hinterbliebenengeld

Schmerzensgeld deckt nur den immateriellen Schaden. Unabhängig davon können Sie Vermögensschäden geltend machen:

Mehr dazu unter sonstige unfallbedingte Kosten. Stirbt ein Angehöriger, sieht § 844 Abs. 3 BGB ein eigenständiges Hinterbliebenengeld für Personen in einem besonderen persönlichen Näheverhältnis vor.

So machen Sie Schmerzensgeld geltend

  1. Ärztlich untersuchen lassen

    Beschwerden zeitnah dokumentieren lassen und Behandlungen konsequent wahrnehmen.

  2. Beweise sichern

    Unfallbericht, Fotos, Zeugen und Polizeiaktenzeichen festhalten (Beweissicherung).

  3. Beschwerden notieren

    Ein Schmerztagebuch mit Einschränkungen im Alltag erleichtert die spätere Bewertung.

  4. Fahrzeugschaden begutachten

    Ein unabhängiges Gutachten dokumentiert Schadenbild und Unfallschwere.

  5. Anspruch anmelden

    Schmerzensgeld bei der gegnerischen Versicherung anmelden – idealerweise über einen Anwalt für Verkehrsrecht.

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Für Ihren Anspruch ist der Nachweis der Unfallschwere oft entscheidend. Unser Unfallgutachten dokumentiert Schadenbild, Verformungen und Anstoßstellen nachvollziehbar; bei unklarem Hergang hilft eine Unfallrekonstruktion. Rechtlich unterstützt Sie am besten ein Fachanwalt für Verkehrsrecht.

Häufige Fragen zum Schmerzensgeld

Wie viel Schmerzensgeld bekomme ich?

Das lässt sich nicht pauschal sagen. Maßgeblich sind Art und Schwere der Verletzung, Behandlungsdauer, Dauerschäden und Ihre persönlichen Lebensumstände. Schmerzensgeldtabellen geben nur eine grobe Orientierung anhand früherer Urteile.

Bekomme ich als Beifahrer Schmerzensgeld?

In der Regel ja. Als Beifahrer sind Sie meist nicht am Unfall schuld und können Ansprüche gegen die Haftpflichtversicherung des Fahrzeugs geltend machen, das den Unfall verursacht hat – das kann auch das Fahrzeug sein, in dem Sie saßen.

Wie lange habe ich Zeit, Schmerzensgeld zu fordern?

Grundsätzlich gilt die regelmäßige Verjährungsfrist von drei Jahren. Sie beginnt mit dem Ende des Jahres, in dem Sie von Schaden und Schädiger Kenntnis erlangt haben. Warten Sie dennoch nicht zu lange, damit Beweise nicht verloren gehen.

Brauche ich für Schmerzensgeld einen Anwalt?

Pflicht ist das nicht, aber empfehlenswert – vor allem bei mittleren und schweren Verletzungen. Bei einem unverschuldeten Unfall trägt die gegnerische Versicherung in der Regel auch die Anwaltskosten.

Weiterführende Lexikon-Artikel

Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Rechtsberatung. Bei rechtlichen Fragen zu Ihrem konkreten Fall wenden Sie sich an einen Fachanwalt für Verkehrsrecht. Stand: Oktober 2026.