Inhaltsverzeichnis
Das Wichtigste in Kürze
- Nur in der KaskoversicherungDas Sachverständigenverfahren klärt Streit zwischen Ihnen und Ihrem eigenen Kaskoversicherer – nicht mit der gegnerischen Haftpflicht.
- Nur zur SchadenhöheEs geht um Höhe des Schadens, Wiederbeschaffungswert oder Reparaturumfang, nicht um die Frage, ob der Versicherer überhaupt zahlen muss.
- Zwei Gutachter, ein ObmannJede Seite benennt einen Kfz-Sachverständigen. Einigen sie sich nicht, entscheidet ein Obmann.
- Kosten nach ErgebnisDie Kosten werden nach den Musterbedingungen im Verhältnis von Obsiegen und Unterliegen verteilt.
Was ist das Sachverständigenverfahren?
Das Sachverständigenverfahren ist ein in den Versicherungsbedingungen vereinbartes Schiedsgutachterverfahren. Können Sie sich nach einem Kaskoschaden mit Ihrem Versicherer nicht über die Höhe der Entschädigung einigen, entscheidet ein Ausschuss aus Kfz-Sachverständigen – statt sofort ein Gericht.
Geregelt ist es in den AKB Ihres Vertrags – in den aktuellen Musterbedingungen des Versicherungsverbands unter Ziffer A.2.6 AKB, in älteren Fassungen etwa unter A.2.17 oder § 14. Maßgeblich ist immer der Wortlaut Ihres eigenen Vertrags.
Nicht bei HaftpflichtschädenNach einem unverschuldeten Unfall rechnen Sie mit der gegnerischen Haftpflicht ab. Für diesen Haftpflichtschaden gibt es kein Sachverständigenverfahren – Streitfragen klärt notfalls ein Gericht.
Wann kommt es zum Sachverständigenverfahren?
Es geht ausschließlich um die Höhe des Schadens, etwa:
Rechtsfragen klärt der Ausschuss nicht – etwa ob ein versichertes Ereignis vorliegt, ob wegen grober Fahrlässigkeit gekürzt werden darf oder eine Obliegenheit verletzt wurde. Darüber entscheiden die Gerichte.
Achtung: Verfahren vor der Klage beachtenSchreiben Ihre AKB bei Streit über die Schadenhöhe das Verfahren vor einer Klage vor, kann eine vorschnelle Klage scheitern. Prüfen Sie Ihre Bedingungen sorgfältig.
Ablauf des Sachverständigenverfahrens nach AKB
Nach den Musterbedingungen läuft es so ab:
-
Meinungsverschiedenheit feststellen
Sie und der Versicherer streiten über die Schadenhöhe; eine Seite verlangt das Verfahren.
-
Sachverständige benennen
Jede Seite benennt schriftlich einen Kfz-Sachverständigen. Wer das nicht binnen zwei Wochen nach Aufforderung tut, überlässt die Benennung der Gegenseite.
-
Obmann bestimmen
Die beiden Sachverständigen wählen vorab einen weiteren Kfz-Sachverständigen als Obmann. Einigen sie sich nicht, benennt ihn das zuständige Amtsgericht.
-
Feststellungen treffen
Die Sachverständigen begutachten den Schaden. Stimmen sie überein, ist ihr Ergebnis maßgeblich.
-
Entscheidung des Obmanns
Weichen die Ergebnisse ab, entscheidet der Obmann – innerhalb der Grenzen beider Feststellungen.
Wichtig: Die beiden Sachverständigen vertreten jeweils die fachliche Sicht ihrer Partei – neutral ist nur der Obmann.
Wer trägt die Kosten des Sachverständigenverfahrens?
Die Kosten werden nach den Musterbedingungen im Verhältnis des Obsiegens zum Unterliegen verteilt. Vereinfacht:
-
voll bestätigt
Ihre Forderung setzt sich durch
Bestätigt der Ausschuss Ihren Standpunkt vollständig, trägt der Versicherer die Kosten des Verfahrens.
-
teilweise
Ergebnis liegt dazwischen
Liegt die Entscheidung zwischen beiden Positionen, werden die Kosten anteilig aufgeteilt.
-
nicht bestätigt
Versicherer setzt sich durch
Bestätigt der Ausschuss die Position des Versicherers, tragen Sie die Kosten.
-
Vertrag prüfen
Abweichende Regelungen
Einzelne Versicherer regeln die Kosten abweichend. Entscheidend ist der Wortlaut Ihrer AKB.
Ihren eigenen Sachverständigen beauftragen Sie selbst. Fällt das Ergebnis zu Ihren Gunsten aus, verlangen Sie vom Versicherer Ausgleich entsprechend der Kostenquote.
Wie verbindlich ist das Ergebnis?
Die Feststellungen sind für beide Seiten grundsätzlich bindend. Nach § 84 VVG gilt das nicht, wenn sie offenbar von der wirklichen Sachlage erheblich abweichen – dann entscheidet ein Gericht. Diese Schutzvorschrift ist vertraglich nicht abdingbar.
Die Hürde ist hoch: Kleinere Abweichungen genügen nicht. Benennen Sie daher von Anfang an einen erfahrenen, unabhängigen Kfz-Sachverständigen.
| Sachverständigenverfahren | Gerichtsverfahren | |
|---|---|---|
| Anwendungsbereich | Schadenhöhe in der Kaskoversicherung | alle Streitfragen, auch Rechtsfragen |
| Entscheider | Sachverständigenausschuss, ggf. Obmann | Gericht, ggf. mit gerichtlichem Gutachter |
| Kosten | nach Obsiegen und Unterliegen | nach Ausgang des Rechtsstreits |
| Bindung | grundsätzlich bindend (Grenze: § 84 VVG) | rechtskräftiges Urteil |
Tipps für Versicherungsnehmer
- Benennen Sie einen unabhängigen Kfz-Sachverständigen, der nicht für Ihren Versicherer tätig ist.
- Beachten Sie die Zwei-Wochen-Frist zur Benennung, sonst bestimmt die Gegenseite beide Sachverständigen.
- Halten Sie Belege bereit: Fotos, Rechnungen, Wartungsnachweise und Angaben zu Vorschäden.
- Ziehen Sie bei Zweifeln einen Fachanwalt für Verkehrsrecht hinzu.

So unterstützt Sie Kfz-Gutachter Trompler
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Wir stehen Ihnen im Verfahren als unabhängige Sachverständige zur Seite: Wir prüfen die Kasko-Abrechnung, erstellen ein fundiertes Gutachten zu Reparaturkosten, Wiederbeschaffungswert und Restwert und vertreten Ihre Position im Ausschuss.
Häufige Fragen zum Sachverständigenverfahren
Was ist ein Sachverständigenverfahren in der Kaskoversicherung?
Ein in den Versicherungsbedingungen vereinbartes Verfahren, mit dem Streit über die Höhe eines Kaskoschadens außergerichtlich geklärt wird. Jede Seite benennt einen Kfz-Sachverständigen, bei Uneinigkeit entscheidet ein Obmann.
Wer bezahlt das Sachverständigenverfahren?
Nach den Musterbedingungen werden die Kosten im Verhältnis von Obsiegen und Unterliegen verteilt. Setzt sich Ihre Forderung vollständig durch, trägt der Versicherer die Kosten; andernfalls werden sie anteilig oder von Ihnen getragen.
Kann ich gegen meine Kaskoversicherung direkt klagen?
Bei Streit über die Schadenhöhe sehen viele AKB vor, dass vor einer Klage zunächst das Sachverständigenverfahren durchgeführt wird. Geht es dagegen um Rechtsfragen, etwa eine Kürzung wegen grober Fahrlässigkeit, ist der Weg zu den Gerichten offen.
Ist das Ergebnis des Sachverständigenverfahrens bindend?
Grundsätzlich ja. Nach § 84 VVG ist die Feststellung aber nicht verbindlich, wenn sie offenbar erheblich von der wirklichen Sachlage abweicht. Dann entscheidet ein Gericht über die Schadenhöhe.
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Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Rechtsberatung. Bei rechtlichen Fragen zu Ihrem konkreten Fall wenden Sie sich an einen Fachanwalt für Verkehrsrecht. Stand: Oktober 2026.