Eigenreparatur / Autoreparatur in Eigenregie

Eine Eigenreparatur nach einem unverschuldeten Unfall ist zulässig: Sie können auf Basis des Gutachtens die Netto-Reparaturkosten einer Fachwerkstatt verlangen. Die Mehrwertsteuer – auch auf selbst gekaufte Ersatzteile – wird bei dieser fiktiven Abrechnung nicht erstattet.
Inhaltsverzeichnis

Das Wichtigste in Kürze

  • Grundsätzlich zulässigNach einem unverschuldeten Unfall dürfen Sie Ihr Fahrzeug selbst reparieren oder reparieren lassen, wie Sie möchten.
  • Abrechnung nach GutachtenErsetzt werden in der Regel die Netto-Reparaturkosten einer Fachwerkstatt laut Gutachten.
  • Keine MehrwertsteuerAuch die Steuer auf selbst gekaufte Ersatzteile wird bei fiktiver Abrechnung nicht zusätzlich erstattet.
  • Nachweis sichernFür Nutzungsausfall und Abrechnungen im 130-%-Bereich brauchen Sie in der Regel eine Reparaturbestätigung.

Ist eine Eigenreparatur nach einem Unfall erlaubt?

Ja. Nach einem Haftpflichtschaden steht Ihnen der zur Herstellung erforderliche Geldbetrag zu (§ 249 Abs. 2 BGB). Ob Sie eine Werkstatt beauftragen, selbst reparieren oder ganz verzichten, entscheiden Sie. Wer selbst repariert, rechnet meist fiktiv auf Gutachtenbasis ab – maßgeblich sind die Kosten einer Fachwerkstatt, nicht Ihre Materialkosten. Details unter fiktive Schadensabrechnung.

WichtigLassen Sie den Schaden vor der Reparatur begutachten. Danach lässt sich der Schadenumfang kaum noch beweisen.

Was wird bei einer Eigenreparatur erstattet?

Bei voller Haftung des Gegners können Sie in der Regel verlangen:

  • die Netto-Reparaturkosten laut Gutachten – also ohne Mehrwertsteuer
  • eine merkantile Wertminderung, wenn der Sachverständige sie ausweist
  • Nutzungsausfall für die Zeit, in der Sie Ihr Fahrzeug wegen der Reparatur tatsächlich nicht nutzen konnten
  • die Kosten des Sachverständigen sowie eine allgemeine Kostenpauschale

Die Mehrwertsteuer wird nicht ersetzt, weil sie nicht angefallen ist (§ 249 Abs. 2 Satz 2 BGB) – auch nicht die Steuer auf selbst gekaufte Ersatzteile. Fiktive Abrechnung und einzelne tatsächliche Steuerbeträge lassen sich nicht kombinieren (BGH, VI ZR 7/21). Mehr zur Mehrwertsteuer bei der fiktiven Abrechnung.

Grenzen der Abrechnung bei Eigenreparatur

Entscheidend ist das Verhältnis der Reparaturkosten zum Fahrzeugwert:

  • unproblematisch

    Bis zum Wiederbeschaffungsaufwand

    Die Netto-Reparaturkosten laut Gutachten werden in der Regel ersetzt.

  • sechs Monate

    Bis zum Wiederbeschaffungswert

    Kosten oberhalb des Wiederbeschaffungsaufwands gibt es in der Regel nur, wenn Sie das Fahrzeug verkehrssicher machen und mindestens sechs Monate weiter nutzen.

  • streng

    130-%-Bereich

    Ersatz nur bei fachgerechter, vollständiger Reparatur nach den Vorgaben des Gutachtens – das muss nachgewiesen werden (130-%-Grenze).

  • Totalschaden

    Darüber

    Es wird grundsätzlich nur der Wiederbeschaffungsaufwand ersetzt – eine Eigenreparatur ändert daran nichts.

Technik und Sicherheit: Was Sie nicht selbst machen sollten

Eine unsachgemäße Reparatur kann die Verkehrssicherheit gefährden – und Sie haften für den Zustand Ihres Fahrzeugs. Diese Arbeiten gehören in die Fachwerkstatt:

Achtung bei Elektro- und HybridfahrzeugenAm Hochvoltsystem dürfen nur qualifizierte Personen arbeiten – schon das Lösen von Verkleidungen kann gefährlich sein. Mehr zu Hybrid-Fahrzeugen.

Eigenreparatur bei Kasko, Leasing und Finanzierung

Die Freiheit zur Eigenreparatur gilt vor allem gegenüber dem Unfallgegner. In eigenen Verträgen gelten oft andere Regeln:

  • Kaskoversicherung: Ob Sie einen Kaskoschaden fiktiv abrechnen können, regeln Ihre Bedingungen – Werkstattbindung kann das ausschließen.
  • Leasing: Meist ist eine fachgerechte Reparatur nach Herstellervorgaben Pflicht; sonst drohen Abzüge bei der Rückgabe.
  • Finanzierung: Ist das Fahrzeug an die Bank übereignet, prüfen Sie vorher den Vertrag.

Eigenreparatur und späterer Verkauf

Ein reparierter Unfallschaden ist beim späteren Verkauf in der Regel offenbarungspflichtig; der BGH zieht die Bagatellgrenze sehr eng (VIII ZR 330/06). Gut dokumentierte Reparaturen schaffen Vertrauen – eine Eigenreparatur ohne Nachweise drückt den Preis.

Eigenreparatur Schritt für Schritt

  1. Gutachten vor der Reparatur

    Lassen Sie den Schaden unabhängig begutachten und kalkulieren.

  2. Abrechnungsweg wählen

    Entscheiden Sie, ob Sie fiktiv abrechnen – und klären Sie bei hohen Schäden die 130-%- und Sechs-Monats-Regeln.

  3. Fachgerecht reparieren

    Halten Sie sich an die Reparaturwege des Gutachtens und lassen Sie sicherheitsrelevante Arbeiten von Profis erledigen.

  4. Reparatur dokumentieren

    Fotografieren Sie Zwischenschritte und bewahren Sie Belege für Teile und Material auf.

  5. Reparaturbestätigung einholen

    Lassen Sie die Instandsetzung vom Sachverständigen bestätigen, wenn Sie Nutzungsausfall verlangen oder im 130-%-Bereich abrechnen.

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Wir begutachten den Schaden, bevor Sie Hand anlegen – unser Unfallgutachten ist die Grundlage Ihrer Abrechnung. Danach bestätigen wir die Instandsetzung mit Fotos. Bei technischen Fragen hilft unsere technische Beratung; die Gutachterkosten trägt bei unverschuldetem Unfall meist die gegnerische Versicherung.

Häufige Fragen zur Eigenreparatur

Bekomme ich bei einer Eigenreparatur Nutzungsausfall?

Ja, für die Zeit, in der Sie Ihr Fahrzeug wegen der Reparatur tatsächlich nicht nutzen konnten. Den Nachweis führen Sie in der Regel mit einer Reparaturbestätigung des Sachverständigen.

Brauche ich vor der Eigenreparatur ein Gutachten?

Bei Schäden oberhalb der Bagatellgrenze ist das dringend zu empfehlen. Ohne Gutachten lässt sich der ursprüngliche Schaden nach der Reparatur kaum noch beweisen.

Geht eine Eigenreparatur auch im 130-%-Bereich?

Nur wenn die Reparatur fachgerecht und vollständig nach den Vorgaben des Gutachtens erfolgt und Sie das belegen können. Abweichungen oder Sparreparaturen gefährden den Anspruch.

Muss ich einen selbst reparierten Unfallschaden beim Verkauf angeben?

In der Regel ja. Nur ganz geringfügige, äußere Lackschäden gelten nach der Rechtsprechung als nicht mitteilungspflichtige Bagatellen.

Weiterführende Lexikon-Artikel

Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Rechtsberatung. Bei rechtlichen Fragen zu Ihrem konkreten Fall wenden Sie sich an einen Fachanwalt für Verkehrsrecht. Stand: Oktober 2026.